US-Amerikanerinnen und -Amerikaner und sonstiger Irrsinn

Selbst im "Spiegel" ist inzwischen von US-Amerikanern die Rede. Irgendwann hat ein wohlmeinender Linguist beschlossen, dass der Begriff "Amerikaner" ja eigentlich auch Mexikaner, Chilenen und Guatemalteken bezeichnet. Ist natürlich Quatsch, aber wenn es auf dem Gebiet der deutschen Sprache irgendeinen Schwachsinn gibt, kann man getrost davon ausgehen, dass er sich durchsetzt.

Aber ich will kein Querulant sein, im gegenteil, deshalb bezeichnen ich alle Deutschen ab sofort als BR-Deutsche. Denn das kommt auch noch, ist ja logisch!

 

Sprache ändert sich mit der Zeit, wie jeder weiß, der schonb mal versucht hat, Walther von der Vogelweide zu lesen. Oder sie ändert sich regional, wie Sie bei einem Besuch des Saarlandes feststellen werden.

 

Sie wird aber auch zur Veränderung des Denkens eingesetzt. Lehrerinnen und Lehrer (früher Lehrer), Studierende (früher Studenten) und BR-deutsche  Journalistinnen und Journalisten folgen dem Ruf des Geistes der Zeit. In dreißig Jahren werden wir darüber lachen, wie wir heute über die Sprache der 68er lachen, die an der Sprache ihrer Vorfahren auch manches total faschistoid fanden, was sie dann auch irgendwie ein Stückweit betroffen machte.

 

Jugendlich, Gangs, junge Kreative, Studenten... sie alle bilden Sprache weiter. Meistens ist das ganz witzig. Am schönsten ist es, wenn sich da Kulturen mischen. Der "Hamlet" der Wise Guys ist in dieser Hinsicht ein Meisterwerk:

Ophelias Bruder – sein Name ist Laertes –
Kommt nach Haus und schreit:
"Weiß einer, wo mein Schwert is'?"
Er will Hamlet töten, gerne möglichst schnell,
Und plant mit dessen Onkel voll das tödliche Duell

 

Aber, wir schweifen ab. Also: Es gibt "Amerikaner", das sind die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann sie US-Bürger nennen. Der geographische Landesname ist "Amerika". Sowohl die USA als auch Kanada liegen in Nordamerika. Im Süden liegt Mittelamerika mit den mittelamerikanischen Staaten. Aber es gibt keine "Mittelamerikaner" und keine "Südamerikaner". Wohl aber gibt es lateinamerikanische Länder, aber davon haben BR-deutsche Journalisten noch nichts gehört. Und natürlich gibt es Mexikaner, Nicaraguaner, Peruaner, Chilenen und noch ein paar mehr.

 

Ich korrigiere – natürlich meinte ih Mexikanerinnen und Mexikaner, Nicaraguanerinnen und Nicaraguaner, Chileninnen und... so, weiter.

 

Und warum das alles? Weil die Sprache als Herrschaftsinstrument entdeckt, ja entlarvt wurde. Dieselbe Sprache, die meinen christlichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Schweiß auf die Stirn treibt, wenn sie Juden als Juden, Einwanderer als Einwanderer und Ausländer als Ausländer bezeichnen sollen. Was, bitte, spricht dagegen?

 

Wir sind ängstlich und nicht etwa "politisch korrekt" (Korrektheit ist ja gut), sondern vorauseilend gehorsam.

 

(Wird fortgesetzt)