US-Amerikanerinnen und -Amerikaner und sonstiger Irrsinn

Selbst im "Spiegel" ist inzwischen von US-Amerikaner die Rede. Irgendwann hat ein wohlmeinender Linguist beschlossen, dass "Amerikaner" den Rest der Bewohner des amerikanischen Doppelkontinents diskriminiert. Und damit hatten wir den Salat. Wenn es auf dem Gebiet der deutschen Sprache irgendeinen Schwachsinn gibt, kann man getrost davon ausgehen, dass er sich durchsetzt.

 

Lehrerinnen und Lehrer (früher Lehrer), Studierende (früher Studenten) und BR-deutsche  Journalistinnen und Journalisten folgen dem Ruf des Geistes der Zeit. In dreißig Jahren werden wir darüber lachen, wie wir heute über die Sprache der 68er lachen, die an der Sprache ihrer Vorfahren auch manches total faschistoid fanden, was sie dann auch irgendwie ein Stückweit betroffen machte.

 

Also: Es gibt "Amerikaner", das sind die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann sie US-Bürger nennen. Der geographische Landesname ist "Amerika". Sowohl die USA als auch Kanada liegen in Nordamerika. Im Süden liegt Mittelamerika mit den mittelamerikanischen Staaten. Aber es gibt keine "Mittelamerikaner" und keine "Südamerikaner". Wohl aber gibt es Lateinamerikaner, aber davon haben BR-deutsche Journalisten noch nichts gehört. Und natürlich gibt es Mexikaner, Nicaraguaner, Peruaner, Chilenen und noch ein paar mehr.

 

Aber halt! sind wir nicht im Begriff, einen riesigen Fehler zu begehen? Ja, sind wir. Denn ist sind natürlich Mexikanerinnen und Mexikaner, Nicaraguanerinnen und Nicaraguaner, Chileninnen usw.

 

Und warum das alles? Weil die Sprache als Herrschaftsinstrument entdeckt, eher schon entlarvt wurde. Dieselbe Sprache, die meinen christlichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Schweiß auf die Stirn treibt, wenn sie Juden als Juden, Einwanderer als Einwanderer und Ausländer als Ausländer bezeichnen sollen. Was bitte, spricht dagegen?

 

(Wird fortgesetzt)