Welt retten ab 4,50 Euro

Ein Filipino setzt einen kleinen Narrabaum, der während des Pflanzens fotografiert wird.  Außer Datum, Uhrzeit und Höhe weist das Foto die digitalen Koordinaten des Pflanzorts aus. Dies ist der Baum, der meiner Spende zugeordnet wird. Da die Pflanzer nicht jedesmal losmarschieren, wenn wieder Geld eingetroffen ist, pflanzt Mama Earth immer einige tausend Bäume im Voraus. „Meine“ Bäume wurden bereits im Juli gepflanzt

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Baum für Baum entsteht ein Wald

Mal eine komplett andere Weihnachtsgeschichte

Dieses Jahr gibt’s bei mir zu Hause aus technischen Gründen keinen Weihnachtsbaum – oder gleich ein paar. Denn ich habe den Gegenwert einer Nordmanntanne in Mahagonibäume investiert und bekomme dafür Fotos von Narrabäumen zugeschickt, die ich dann rechtzeitig zum Fest einigen meiner Freunde zuschicken werde.

 

Leider kann ich nicht ein Foto an hundert Freunde verschicken, denn in die Fotos sind die metergenauen Koordinaten der Bäumchen integriert, und wenn einige dieser meiner Freunde anfangen würden, die Koordinaten zu vergleichen... Es muss also pro Freund ein Baum sein, für Pärchen auch zwei.

 

Zu Weihnachten spenden ein Drittel der Deutschen an die großen Hilfsorganistationen, knapp 5 Milliarden Euro kommen laut Deutschem Spendenrat zusammen. Die Helfer richten ihr Marketing gezielt auf die Weihnachtszeit aus. Kein Hilfswerk und keine gemeinnützige Organisation, die nicht in der spendablen Jahreszeit Briefe und Spendenaufrufe veröffentlichen.

 

Das Projekt, bei dem ich die Mahagoni-Bäume geordert habe, heißt „myTree" und wurde von Mama Earth gestartet. Man zahlt per "PayPal" 4,50 Euro pro Baum. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich den Macher hinter dem Projekt kenne. Es ist der deutsche Journalist und Verleger Ulrich Kronberg, der sein Geld in Deutschland verdient und es auf den Philippinen, wo er mit seiner Familie lebt, ausgibt.

 

„Ich will mir demnächst ein Holzboot aus Mahagoni bauen“, sagte ich zu ihm, „das kann ich jetzt mit gutem Gewissen machen.“ – „Damit haben deine Bäume aber nichts zu tun“, entgegnete er, „die werden nämlich nicht gefällt sondern bleiben stehen. Und außerdem pflanzen wir keine Mahagoni-Bäume für diese Aktion, sondern zehn endemische Baumsorten, die alle unter Naturschutz stehen. Darunter den Narrabaum, den Nationalbaum der Philippinen."

 

„Endemisch“ klingt für mich immer nach einer Krankheit, aber es heißt nur: ortstypisch, einheimisch. In Brandenburg ist die Kiefer endemisch, im Harz die Fichte, auf den Philippinen sind es unter anderem To-og-, Almagica-, Dao und  Narra-Bäume. In den kommenden vier Jahren sollen auf den Philippinen 100 Hektar abgeholzter Naturwald wieder aufgepäppelt und mit 60.000 endemischen Bäumen bepflanzt werden. Die staatliche Umweltbehörde DENR ist mit im Boot.

 

Kronberg hat vor fünzehn Jahren begonnen, sich für Aufforstung und Renaturierung zu engagieren. Vor einigen Jahrzehnten begannen die Fischer am Golf von Davao, die Mangroven am Ufer und im Flachwasser abzuholzen. Das Holz wurde verbaut, verkauft oder verheizt. Die Folge war, dass Sturmfluten im Land erheblich mehr Schäden anrichteten als früher, und dass der Fischreichtum der Bucht zurückging, weil den Fischen die geschützten Laichgebiete fehlten. Kronberg rief, zusammen mit Organisationen in Deutschland und einheimischen Naturschützern, ein Projekt ins Leben, das bis heute über eine Million Mangroven gepflanzt hat und weiter betrieben wird. Ich hätte auch Mangroven verschenken können, aber Mahagoni klingt besser. (Auch wenn es in wirklich Narra-Bäume sind, deren Holz bei Möbeltischlern und Instrumentenbauern begehrt ist und wegen seiner rötlichen Farbe gern für "Mahagoni" gehalten wird. Was wir als "Teak" bezeichnen, ist ja in den meisten Fällen auch kein Teakholz.)

 

Das "MyTree"-Projekt von „Mama Earth“ geht nun von der Küste an Land und finanziert die Anpflanzung und Wiederaufforstung auf sonnenverbrannten Grasflächen und im Bereich abgeholzter Urwälder. Denn natürlich haben Einheimische und „Investoren“ nicht nur jahrzehntelang Mangroven abgehackt, sondern auch und vor allem hochwertige Harthölzer.

 

Die Mama-Earth-Projekte dienen einerseits der Wiederaufforstung der zerstörten Wälder. Es sind Naturschutzgebiete, in denen keine Holzwirtschaft betrieben werden darf. Schon deshalb könnte ich aus meinen Bäumen (die gar nicht meine Bäume sind) kein Boot bauen, und hoffentlich auch sonst niemand. Andere Projekte hingegen, von der Baumschule über die Forstarbeiterausbildung bis hin zur Kooperation mit dreißig Nutzholzbetrieben, dienen der klassischen Forstwirtschaft. Hier wird aus Licht, Luft und Regenwasser Holz produziert.

 

Holz ist ein Produkt wie andere auch, es hat als lebender, nachwachsender Rohstoff aber darüber hinaus einige sympathische Eigenschaften. Holz entsteht nämlich hauptsächlich aus dem Kohlenstoffdioxid (CO2) der Luft.

 

Kohlenstoffdioxid ist ein natürliches Gas, das unsere und anderer Lebewesen Lungen ausatmen, und das außerdem bei Verrottung und Verbrennung frei wird. Es wirkt leider auch als Treibhausgas, weil es eingestrahltes kurzwelliges Sonnenlicht in langwellige Wärmestrahlung umwandelt und so zur Aufheizung der Atmosphäre beiträgt. Wir produzieren ständig Kohlendioxid, und die Pflanzen wandeln es ständig in Sauerstoff, den wir atmen, und in Kohlenstoff um, den sie für ihr Zellgerüst brauchen. Ein Mahagonibaum oder eine deutsche Eiche binden im Lauf ihres Wachstums rund zwei Tonnen Kohlendioxid.

 

Bäume bremsen also die Erwärmung der Atmosphäre. Jedenfalls solange sie wachsen. Wenn man sie verbrennt oder verrotten lässt, wird der in ihnen gebundene Kohlenstoff wieder zu freiem CO2.

 

Deshalb ist es sinnvoll, Holz anzupflanzen und anschließend als langlebigen Baustoff zu verwenden. (Oder es in der Erde zu vergraben, wo es sich innerhalb von 300 Millionen Jahren in hochwertige Steinkohle verwandelt, wenn sich genügend Gewicht darüber ansammelt.)

 

Es gibt zahlreiche Holzinvestments für Kleinanleger, auch Mama Earth bietet solche Nutzholz-Investments an. Mit Notariatsurkunden und verbrieften Rückkaufwerten. Ich konnte mich, trotz meiner Bootsbaupläne, bisher nicht zu einem solchen Investment entschließen, obwohl mit Holz hohe Renditen erzielt werden. Die Deutsche Säge- und Holzindustrie klagt zwar über zu hohe Preise für einheimische Hölzer, aber dem global denkenden Anleger kann das nur recht sein.

 

Mein kleines privates Narra/Mahagoni-Engagement hat dazu geführt, dass ich mich für den Holzmarkt interessiere. Das Problem der illegalen Rodungen – mithin der Vernichtung von Tropenwald – ist schwierig in den Griff zu kriegen. Theoretisch wachen deutsche und europäische Behörden darüber, dass nur zertifiziertes Holz auf den deutschen Markt kommt, aber das ist Holz-Raubbauern ziemlich egal. Trotzdem macht es Sinn, den Geschäftsführer im Baumarkt oder den Werftchef nach der Holzzertifizierung zu fragen.

 

Ich werde mir beizeiten überlegen, woher ich zuverlässig geprüftes Holz für mein nächstes Bootsprojekt kriege.

 

Mama Earth Foundation

forest stewardship council

So sieht "mein" Tropenwald auf Google Earth im Moment aus (oben). Es ist kein dichter Wald, sondern eher Gras- und Buschland, soll aber wieder richtiger Regenwald werden. Ich werde alle paar Jahre mal vorbeischauen. Unten: "Meine" Pflanzer bei der Arbeit

"Von Qingdao nach New York"

Hans-Harald Schack (63) segelt und ist Journalist. Er schreibt Magazin-Reportagen und Bücher. 2014 nahm er am Clipper Round The World Race teil. Die Reise führte von China  nach San Francisco und durch den Panama-Kanal in den Atlantik. Sein Web-Log und Reportagen darüber gibt es als e-Book: "Von Qingdao nach New York".